Berichte
Jugendlandesliga
2007
Wir konnten gegen Bille 6:2 gewinnen,
was ziemlich gut ist. Doch letztes Jahr wurde auch Fischbek deutlich geschlagen
und die sind letztlich in die Jugendbundesliga aufgestiegen, es liegt also
noch ein weiter Weg vor uns.
Erst mal vorweg: Dass unsere Gäste
schon lange vor uns vollzählig (kein Wunder, ist doch deren Betreuer
General a.D.) da waren, wirkte reichlich peinlich für uns. Ich hoffe,
dass dies ein Ausrutscher war, jedenfalls hier noch einmal schriftlich:
Bei Mannschaftskämpfen (egal ob Heim- oder Auswärtsspiel) trifft
sich die Mannschaft eine Viertel Stunde vor Anpfiff im Spiellokal!
Nun zum Wettkampf:
Von der Papierform her waren wir leichter
Favorit, besonders an 1, 2, 5 und 6, während wir an 7 und 8 nur Außenseiter
waren. Bereits nach einer guten halben Stunde brachte uns Lasse bei seinem
Debüt in Führung, da sein Gegner die Probleme einer scharfen
Gambiteröffnung nicht angemessen lösen konnte. Nach einer Stunde
konnte Achim auf 2:0 erhöhen, nachdem er das passive Spiel seines
Gegners zu einem Überfall auf dessen Königsstellung ausnutzte.
Das 3:0 besorgte wenig später Jonas, der in einem taktischen Gemetzel
den Überblick behielt. Kurz darauf gelang Deniz das 4:0. Die Eröffnung
spielte er unterirdisch, aber da sein Gegner bei heterogenen Rochaden darauf
verzichtete, irgendeinen offensiven Zug zu machen, konnte Deniz schnell
die Initiative übernehmen.
Nun sollte es länger dauern, ehe
die nächste Partie entschieden wurde. Nora hatte eine Figur mehr und
einen gefährlichen Freibauern, aber irgendwie muss sie einen
Blackout gehabt haben, ihr kam nicht
in den Sinn, ihren Freibauern durch den Turm zu unterstützen und so
konnte ihr Gegner ihn schlagen. Das Remis besiegelte
zumindest den Mannschaftssieg.
Daniel, der die erste halbe Stunde dafür
nutze, heißes Wasser zu kochen um Plastiklöffel zum Schmelzen
zu bringen (vielleicht will er mit diesem Experiment bei Jugend
forscht antreten?!), spielte eine wilde
Partie mit wechselhaftem Vorteil, welche letztlich Remis endete.
Anna konnte in einer verschachtelten
Stellung im Mittelspiel eine Qualität gewinnen und nach der üblichen
Zeitnot konnte sie diese sicher verwerten, nur kurz vor dem
Ende ließ sie ihrem Gegner noch
eine Remismöglichkeit, die dieser allerdings ausließ.
Jan stand die ganze Partie über
etwas schlechter (okay, vielleicht noch nicht nach den ersten Zügen...)
und musste den Punkt schließlich abgeben.
Hinterher durften die Edelfans Sebastian
und René noch aufräumen. Dieser Satz ist übrigens nicht
als Sachinformation gedacht, sondern als versteckte Kritik zu
verstehen!
Bericht
von Nora zur Norddeutschen Vereinsmeisterschaft 2007
Vor der ersten Runde wurden wir aufgeklärt,
was sich hinter dem Buchstabenungetüm NDVJMM verbirgt. Norddeutsche-Vereinsjugend-Mannschaftsmeisterschaft.
Für jeden anderen blieb es die ‚Norddeutsche‘.
Die Abreise
Um 17:00 Uhr am Mittwoch, den 5. September
2007, versammelten sich ganze Horden von Hamburger Schachspielern am Reisezentrum
am Hauptbahnhof, das merkwürdigerweise noch nicht ‚travelling center‘
heißt. Irgendwann stand nur noch die Delegation von Weisse Dame irgendwie
blöd rum, weil René vergessen hatte, loszugehen. Dass es praktisch
gewesen wäre, um noch Sitzplätze zu bekommen.... naja, man lernt
nie aus. Wir saßen also auf der Hinfahrt alle verstreut und mehr
oder weniger bequem.
Sie dauerte dafür längst nicht
so lange wir manche anderen Fahrten, die man mit Schachtruppen manchmal
erlebt.
Die Ankunft
Die Jugendherberge in Kiel war überraschend
einfach zu finden und überraschend dämlich aufgebaut. Eine Masse
Hamburger versuchte durch die Eingangstür zu kommen und die, die es
schafften, standen gleich im Essenssaal. Da wenig Platz zum Ausbreiten
zu den Seiten hin war, wuchs die Schlange bis nach draußen. Um uns
aßen andere Landesverbände entspannt ihr Abendessen oder manövrierten
mit beladenen Tabletts an und durch uns.
Irgendwann bekam ich von René
einen kleinen, weißen, selbstklebenden Zettel in die Hand gedrückt,
auf dem ‚09A‘ stand. Ich griff mir also Maria und ging zur Rezeption, die
auch da untergebracht war.
Dialog
H=Heini
I=Ich
I: Wir brauchen den Schlüssel zu
Zimmer 09A.
H: Der ist schon weg.
I: (leicht verwirrt, aber nicht überrascht,
kein Landesverband hat so viele Mädchen in einer Mannschaft, dass
diese ein ganzes Zimmer füllen) schweigen
H: Ab besten seht ihr einfach mal nach.
Wir gingen also zu Zimmer 09A, das praktischerweise
im Erdgeschoss lag. Wir mussten mit negativer Begeisterung feststellen,
dass abgeschlossen war. Wir also zurück zur Rezeption.
I: Das Zimmer ist abgeschlossen.
H: Dann hat die andere Person wohl abgeschlossen.
I(denkt): Da wär ich ja nie drauf
gekommen.
I: Haben Sie vielleicht einen zweiten
Schlüssel?
H: Den geben wir nicht aus.
I: Wir kennen die andere Person aber
gar nicht. Wie sollen wir uns dann absprechen.
H: So ein Schlüssel kostet 35 Euro
wir brauchen irgendeine Sicherheit, dass er zurückkommt.
I(denkt): Und was für eine Sicherheit
haben Sie eigentlich, dass der erste Schlüssel zurückkommt?
Doch ehe ich mich richtig mit dem Typen
anlegen konnte, kam eine Frau der Turnierleitung und erklärte: Wenn
zwei Landesverbände in einem Zimmer sind, werden zwei Schlüssel
ausgegeben. Das haben wir mit der Herbergsleitung abgesprochen.
Darauf der Heini: Unsere Chefs informieren
uns ja über nichts.
Wir bekamen den Schlüssel.
Beim Essen kam ich an diesem Tag noch
in den Genuss von Schwarzem Tee, der so schmeckte, wie nasser Hund riecht
und keinerlei Teein enthielt. Sonst passierte nichts weiter.
Erster Tag
Für mich begann dieser Tag relativ
gemütlich. Gegen 8:00 Uhr spazierte ich zum Frühstück und
freute mich auf das Nasser-Hund-Extrakt, als ich Achim in der Tür
zum ‚Speisesaal‘ erblickte. Ich ging mit einem gemurmelten ‚Guten Morgen‘
an ihm vorbei und er antwortete wörtlich: „Jan ist tot.“
Bis seine Worte in meinem Kopf angekommen
waren, war ich bereits zwei Schritte weiter in Richtung Frühstück
und so ging ich rückwärts zu ihm, rempelte dabei irgendwen um
und fragte, ebenfalls wörtlich: „Was?!“
Achim begann mit einer detailreichen
Schilderung der Ereignisse, doch ich winkte mit dem Hinweis noch etwas
essen zu wollen, ab. Da Maria zu ihrem kranken, nicht toten Bruder wollte,
fiel ihr Frühstück ins Wasser, sei’s drum.
Kurz vor der Runde erfuhr ich zwar nicht,
was genau mit Jan los war, wohl aber, dass er nicht spielen konnte und
so begannen wir den Kampf gegen den Hagener SV mit 1:0 Rückstand.
Mein Gegner war eine komische Type namens
Colin Wierum. Er erinnert mich an irgendwen, ich weiß aber leider
immer noch nicht an wen. Jedenfalls hatte ich mir vor der Partie seine
Zahl nicht angesehen, sondern mich statt dessen vorbereitet. Ich fühlte
mich der Aufgabe gewachsen. Wir mussten ja schließlich Jans Punkt
herausholen.
Nach
1. e4 d5
2. exd5 Dxd5
3. Sc3 Da5
4. d4 Sf6
5. Lc4
fing er an zu überlegen. Das fanden
wir im Nachhinein alle etwas komisch.
Da mein Gegner auch im weiteren Verlauf
der Partie wesentlich mehr nachdachte als ich, kam ich dazu, auf die Bretter
meiner Mitstreiter zu gucken.
Es zeigte sich bald, dass Achim eine
schöne Gewinnstellung hatte und Deniz ziemlich tot stand.
Mein Gegner steuerte irgendwann auf
eine ausgewachsene Zeitnot zu und ich blickte noch mal auf die anderen
Bretter. Inzwischen stand auch Achim schlecht.
Nach einigen Minuten kam die Überraschung.
Deniz und sein Gegner räumten das Brett ein. „Wie hast du gespielt?“,
fragte ich. „Gewonnen.“
In der Analyse kam raus, dass er erfolgreich
Matt gedroht hatte. Warum nicht. Achim verlor kurz darauf und ich hatte
das Mannschaftsremis in den Händen.
Mein Gegner geriet in Zeitnot. Ich stellte
in seiner Zeitnot die Partie ein, er aber auch und so konnte ich doch noch
gewinnen.
Später saß ich mit René
beim Essen und er erzählte mir, was in der Nacht eigentlich wirklich
vorgefallen war. Tage danach bekam ich auch noch eine Schilderung von meinem
Bruder und deshalb ist diese jetzt aus beiden zusammengesetzt. Ich bin
sehr gespannt, wie viele Abweichungen zu bemerken sind, wenn man die Geschichte
kennt.
Die Geschichte mit Jan
Gegen drei Uhr wachte Achim auf, stellte
fest, dass Jan nicht mehr im Zimmer war und bekam eine mittelmäßige
Panik, da er dachte, es sei schon morgens. Er sprang also auf und irgendwer,
an dem Punkt ist es unklar, berichtete ihm, dass Jan sich ‚nur‘ übergeben
hatte. Er hatte zwar nicht mal ein Abendessen, das er hätte rückwärts
essen können, aber sein Magen schien trotzdem der Ansicht, irgendetwas
sei potenziell schädlich und spuckte es aus.
Achim tat nun etwas, was er schon immer
hatte tun wollen. Er weckte mitten in der Nacht einen Leiter, René.
Dieser beschloss einen Arzt zu rufen,
da Jan wohl wirklich nicht gut aussah. Sein Anruf bei der Feuerwehr wurde
zur Polizei weitergestellt, die ihn dann aber netterweise wieder an die
Feuerwehr verwiesen, die dann endlich einen Arzt auftrieb, der selbstverständlich
nicht erfreut war, dass irgendwer in der winzigen Stadt Kiel ein Problem
hatte. Deshalb versuchte er mit möglichst vielen Fragen die Geduld
Renés zu erschöpfen.
Er fragte mehrmals nach der Adresse
der Jugendherberge, die René natürlich nicht so einfach wusste,
waren wir doch erst gestern angekommen. Er konnte sie schließlich
in einem Infoblatt nachlesen. Später erfuhren sie übrigens, dass
es nur eine Jugendherberge in ganz Kiel gab.
Die nächste Frage war dann: „Wir
kommt der Arzt denn in die Jugendherberge rein?“
Antwort René: „Äh............“
An dieser Stelle gibt es eine kostenlose
Lebensweisheit: Jugendherbergen sind um drei Uhr nachts hermetisch abgeriegelt.
Schon bei der Ankunft war mir aufgefallen,
dass ein Schild sowohl an der Haupttür als auch an der Verbindungstür
darauf hinwies, dass der letzte Einlass um ein Uhr war und die Tür
danach verschlossen sein würde.
Die Zimmer im Erdgeschoss hatten zwar
eine Tür, die direkt nach draußen führte, aber die waren
mit einem Vorhängeschloss gesichert, die zwar mit entsprechendem Gerät
sehr leicht zu knacken gewesen wären, aber drinnen gab es entsprechendes
Gerät natürlich nicht.
René und Achim entdeckten schließlich
eine ‚Notklingel‘ und machten von ihr Gebrauch. Nach 10 Minuten Dauerklingeln
schlurfte endlich ein Zivildienstleistender heran und war ebenfalls nicht
begeistert zu dieser Nachtzeit geweckt zu werden.
Doch schließlich fand der Notarzt
sowohl die Jugendherberge, als auch den Eingang und diagnostizierte bei
Jan einen Magen-Darm-Virus. Darauf wären wir übrigens nie gekommen!
Er gab Jan Magenberuhigungs- und Schlafmittel
und sagte, er solle nach Hause geschickt werden. René weigerte sich
aber, denn ob er nun hier oder in Hamburg im Bett liegt, macht ja auch
keinen Unterschied. Außerdem sollte er ja am der zweiten oder dritten
Runde spielen.
Die zweite Runde spielten wir gegen den
SV Gryps. Jan war wieder fit und dann konnte ja nichts schiefgehen...dachte
ich.
Ich spielte mit Schwarz eine nette Partie,
in der meine Gegnerin in der Eröffnung ziemlich rummurkste. Das Mädchen
war mir ein bisschen suspekt. Erstens konnte man nie sicher sein, ob sie
gerade das Brett, die Decke oder ihre Innereien betrachtete. Zweitens schaffte
sie es während der Partie bestimmt, zwei Liter Apfelsaftschorle zu
trinken. Nach jedem Zug griff sie nach dieser Flasche und starrte mich
an.
Jedenfalls stellte sie irgendwann ihre
Dame nach f2, während ihr König auf g1 stand. Läufer sind
fiese Figuren.
Doch leider war meine Partie die einzige,
die einen ganzen Punkt für uns abwarf. Jan verwandelte ein gewonnenes
Endspiel noch in ein Remis, aber eigentlich kann man es ihm bei seinem
Gesundheitszustand nicht verübeln.
Deniz und sein Gegner trafen im 44. Zug
die Übereinkunft, einen im Schach stehenden König zu ignorieren
und beendeten die Partie im 87. Zug zu Denniz Ungunsten.
Achim übersah wohl was und gab
dann irgendwann im verlorenen Endspiel auf.
Naja, die Mannschaft hatte auch schon
Königsspringer einen Punkt abgeschwatzt.
Raise oder fold
An diesem Abend fand ein Tandemturnier
nach Schleswig-Holsteiner Regeln statt. Dies führte zu einer Null-Beteiligung
von Schleswig-Hostein und einer geringen Beteiligen der anderen. Doch René
und Linde beschlossen, kleine Kinder fertig zu machen und gaben sich zudem
auch noch den überaus kreativen Namen ‚Raise oder fold‘
Sie waren nominell mit Abstand die Besten
und die Turnierleitung zog einen Ausschluss in Erwägung, bis sie die
wahre Größe der beiden erkannte und besonders das geistige Alter.
Als sie nämlich spitz bekamen, dass ein Pokerkoffer der Hauptpreis
war, stürzten sie zu ihm und betrachteten ihn bis zum Start der ersten
Runde sehnsüchtig.
Ich sah zu, wie sie kleine Kinder fertig
machten, blitzte etwa zehn mal gegen Silke, verlor alle Partien und beobachtete,
wie Tilman Schade versuchte sich vor Fotos zu drücken, indem er sich
hinter eine Säule stellte.
René und Linde gewannen selbstverständlich
den Hauptpreis und verzogen sich, um ihn einzuweihen.
Ich kam noch in den Genuss eines wundervollen
Tricks von Jan, um kleine U12 Kinder ins Bett zu bekommen. Er saß
an seinem Schlepptop und spielte ein Spiel, bei dem natürlich alle
zugucken mussten. Seine Aufforderungen, das Bett aufzusuchen, stießen
auf taube Ohren, er war aber auch zu faul, den Computer auszumachen und
stellte deswegen nur Ton und Bildschirm ab. Dann verkündete er fröhlich:
Der Computer ist aus! Geht jetzt ins Bett! Sie leisteten Folge und danach
konnte ich mich noch in Ruhe vorbereiten und er weiterspielen.
Zweiter Tag
Nach zwei Tassen scheußlich schmeckendem
Tee ohne jegliches Teein und einem Gummibrötchen, begann Runde drei.
Wir spielen gegen den Segeberger SF, wobei ich immer noch nicht weiß,
was das SF bedeutet. Das einzig erwähnenswerte an dieser Mannschaft
ist, dass die Geschwister Marx in ihr spielen, die aber nicht mit ‚dem‘
Marx verwandt sind.
Ich spielte wieder mit Schwarz und diese
Partie zeigte zum ersten Mal deutlich, dass ich einen Krampf am Königsflügel
habe. Ich zog zweimal f5 und es war beide Male ein Fehler und gegen den
eigentlichen Plan. Ich kam bald in arge Bedrängnis, denn mein König
war nicht mehr allzu sicher, doch mein Gegner ließ den Angriff irgendwo
im Sand verlaufen und plötzlich war ich am Drücker. Er lief dann
in eine Springergabel hinein und fand die Zeit zum Aufgeben gekommen.
Jan und Achim machten ihre Gegner platt
und
Deniz stellte irgendwo die Partie ein.
Während des Mittagessens mutmaßten
wir, ob wir gegen den HSK spielen müssen, doch die ‚erfreuliche‘ Botschaft
kam mit den Paarungen. Wir durften gegen Bremen spielen. Die Mannschaft,
die den absoluten DWZ-Riesen an eins hatten.
Jan wurde also bis –1 Minute vor der
Partie auf 1. d4 vorbereitet und kam verspätet ans Brett. Der Gegner
spielte: 1. b3 Tja, Vorbereitung zum Teufel.
Mein Gegner stellte in der Eröffnung
durch das Motiv Doppelangriff eine Figur ein, bekam aber im weiteren Verlauf
zwei Bauern dafür. Der Rechenknecht bewies mir nachher, dass ich die
Figur ganz einfach hätte halten können, mit einem Manöver,
dass sich kein Mensch getraut hätte, weil es absolut tot aussah.
Mein Mehrbauer-Endspiel entwickelte sich
sehr zäh und ich musste am Nebenbrett mit ansehen, wie Jan Haus und
Hof und schließlich die Partie einstellte. Auch die beiden anderen
verloren und ich spielte auf verlorenem Mannschaftsposten.
Ich stellte irgendwann den Mehrbauern
ein, musste noch mit ansehen, wie mein Gegner ein gefährlichaussehendes
Gerät zusammensetzte und sich Insulin spritzte und bot im 44. Zug
remis. Er lehnte erst ab, bot zwei Züge später selbst und ich
nahm an.
René war im Laufe des Tages nach
Hamburg gefahren, um allen zu beweisen, dass er mit Strohhut genauso gut
tanzen konnte wie ohne.
Am Abend bewies Jan eindrucksvoll seine
Multitaskingfähigkeit, was bezüglich der Ausrichtung seines Gehirns
gewisse Zweifel an seinem y-Chromosom aufkommen ließ.
Er schaffte es parallel die Pokerrunde
zu gewinnen und seinem Computerspiel irgendwas aus den Rippen zu leiern.
Ich glaub, es waren Fußballspieler, aber sicher bin ich mir nicht,
es kreuchte so viel auf dem Bildschirm rum, das hätte alles mögliche
sein können.
Dritter Tag
Wieder und immer noch schmeckte der Tee
grauenvoll und hätte sich prima als Folterinstrument geeignet, aber
irgendwas muss Mensch ja trinken und das Wasser eignete sich nicht dazu.
Lauf Dennis war es stark chlorhaltig oder sonstwas. Er schwörte jedenfalls
auf eine negative Wirkung.
Das einzig gute an diesem Morgen war,
dass ich das Teein in dem Tee gar nicht brauchte, es war ja eh nicht vorhanden,
denn die anderen sorgten für Aufregung.
Da René nicht da war, musste
ich Linde wecken, was ich nicht ganz schaffte, da ich zwar früh genug
wach war, mich aber mit Silke verquatschte. Doch Linde war sowieso schon
wach.
Allerdings stellte uns die Tür des
Zimmers der Jungs vor ein gewaltiges Problem. Dazu muss gesagt werden:
Die Zimmer waren so aufgebaut: Eine Tür, dahinter eine Art Vorraum,
mit Bad und Klo und dann zwei weitere Türen, beschriftet mit A und
B, die zu jeweils einem Vierer-Zimmer führte.
Ein sehr gescheiter Mensch hatte die
vordere Tür abgeschlossen und so konnten Linde und ich so lange klopfen,
wie wir wollten, es hörte uns sowieso keiner von denen, die sich hätten
angesprochen fühlen müssen.
Linde und ich saßen also wie auf
heißen Kohlen beim Frühstück und waren kurz davor, Wetten
abzuschließen, wie viel zu spät die Jungs denn zur Runde erscheinen
würden.
Sie kamen, glaube ich, nur ein paar
Minuten zu spät.
Wir spielten in der fünften Runde
gegen TuRa Harksheide. Mein Gegner spielte schon die Eröffnung schlecht
und ließ sich dann irgendwann mattsetzen. Der ganze Kampf war unspektakulär
und wir gewannen souverän 3-1.
Die 6. Runde wurde wieder spannend. Ich
versaute in der Eröffnung den geschlossenen Siz und stellte bald alles
ein... naja, eine Qualtät, aber es sah wirklich übel aus.
Deniz hatte bereits verloren, meine
Stellung war schlecht und bei Jan war es unklar. In dieser Situation einigten
sich Achim und sein Gegner auf Remis. Im ersten Moment war ich sehr sauer,
denn ich spielte sowieso nur noch, weil die Mannschaft zählt und da
macht der einfach Remis. Später bei der Analyse stellte sich heraus,
Achim hatte dem Gegner in einer verloren Stellung das Remis abgeschwatzt.
Ich spielte also munter weiter und machte
mir keine großen Hoffnungen. Doch als mein Gegner mehr oder weniger
glimpflich die erste Zeitkontrolle schaffte, witterte ich wieder Punkte.
Ich hatte inzwischen einen Bauern für
die Qualität bekommen und hatte zwei verbundene Freibauern. Mein Gegner
kam in akute Zeitnot, guckte aber dennoch immer ein paar Sekunden in die
Stellung. Er stellte Haus und Hof ein und verlor schließlich auf
Zeit.
Ich war jetzt schon mit meinem Lauf zufrieden,
doch ich machte mir Hoffnungen auf einen Brettpreis und nahm mir fest vor,
am nächsten Tag auch noch zu gewinnen.
Doch erstmal sah ich auf Jans Brett,
wie sich die Stellung zum Remis reduzierte und wir auch als Mannschaft
nur Remis spielten.
Am Abend war wieder große Pokerrunde
angesagt, diesmal machte auch René mit. Ich glaube, ich habe mich
gegen 24 Uhr verabschiedet, bin beim Ins-Zimmer-Kommen wie jeden Abend
drei Mal gegen den blöden Stuhl gelaufen, weckte aber weder Silke
noch Maria, aber das wirklich Interessante des Abends passierte noch später.
René tauschte einen Pokerchip
im Wert von 2 gegen ein Traubenzucker und der vorher ausgestiegene Deniz
war auf einmal wieder im Spiel. Er schaffte es aus zwei 167 Chips zu machen,
eine ansehnliche Leistung.
Vierter Tag
Letzter Tag. Letzter Tag den scheußlichen
Tee, letzter Tag diese wundervolle Jugendherberge, die viele Uhren mit
vielen Zeiten hatte, obwohl in Kiel garantiert niemand vorbei kommen wird,
für den es wirklich wichtig ist, wie spät es in Tokio oder Sambias
Hauptstadt ist.
Und natürlich auch letzte Runde.
Kali Wolmirstedt, auch bekannt als ‚die
Schiffner-Truppe‘
Brett 1, 3 und 4 sind fest in der Hand
von
Kevin, Martin und Alexander Schiffner. Nur ich hatte die Ehre gegen einen
Nicht-Schiffner zu spielen.
Ich durfte einen Sizilianer töten
und spielte die Schablone schön runter. Mein Gegner nicht. Er bereitete
b5 sehr lange vor und zog ihn schließlich im 12. Zug. Im 17. Zug
gingen mir die Pferde durch und ich opferte einen Turm auf h7. Nachher
wurde mir von allen bescheinigt, dass dies ein sehr männlicher Zug
war, aber nicht unbedingt gut. Es stürzte allerdings meinen Gegner
in eine lange Nachdenkphase.
Doch natürlich funktionierte das
Opfer nicht. Ich stand also schlecht da. Deniz und Achim verloren und Jan
und ich mussten um das Mannschaftsremis kämpfen.
Jan sah auf meinem Brett einen Gewinn
nach dem anderen und schien sich nicht so sehr auf seines zu konzentrieren.
Wieder einmal schöpfte ich Gewinn
aus der Zeitnot meines Gegners.
Inzwischen waren von ihm noch beide
Läufer und ein Turm und ein paar Bauern auf dem Brett. Ich hatte dagegen
eine Dame. So eine Dame ist was tolles, sie kann so viele schöne Sachen
drohen, Schach, Doppelangriff, Spieß....
Nachdem mein Gegner in Zeitnot erste
einen Läufer und dann per Doppelangriff auch noch den Turm eingestellt
hatte, gab er auf.
Jetzt lag es an Jan.
Er schaffte es jedoch leider nicht,
zu gewinnen. Wir verloren die letzte Runde also knapp.
Jan und meine Partien waren die letzten
und während wir noch spielten, begannen schon fleißige Leute,
Figuren einzutüten und Uhren in Kästen zu verstauen.
Nach einem schnellen Essen, das wahrscheinlich
das Beste auf der ganzen Reise war, gingen wir zur Siegerehrung. Die U12
bekam einen schönen Pokal und René durfte seine Grinsefresse
der Kamera präsentieren.
Ich bekam für meine 6 ½
Punkte ein Brettspiel namens ‚Aton‘, dass irgendwas mit ägyptischen
Hohepriestern zu tun hat.
Danach ‚raisten‘ wir zum Bahnhof, um
noch Sitzplätze im Zug zu ergattern.
Wir hatten noch genug Zeit einen fetttriefenden
Burger (alle außer Linde und mir) und einen Instandkaffee (Linde)
zu uns zu nehmen. Während die anderen aßen, tranken und rauchten,
beobachtete ich einen sogenannten ‚Infoscreen‘
Das Ding ähnelte einem überdimensionalen
Fernseher, der einen permanent mit Kompaktnachrichten, Comics und Werbung
versorgt. Der Bildschirm war aus vier kleineren zusammengesetzt. Leider
war der rechts unten kaputt. Ausgerechnet. So bekam ich die schönen
Bilder und die Überschrift mit.
‚Die bisher ungeschlagenen Russ...‘
‚Frau Merkel hat angekündigt...‘
Sehr informativ. Ich wandte irgendwann
den Blick von Frau Merkels hübschem Gesicht ab und wartete, bis der
Zug kam. Wir bekamen sehr schöne, zusammenhängende Sitzplätze
und hatten noch genug Zeit, noch ein paar Mal aus- und wieder einzusteigen.
Davon machte besonders Daniel oft Gebrauch,
denn Jan gab ihm jedesmal zehn oder zwanzig Cent, wenn er ihm was zu trinken
oder dieses und jenes brachte.
Auf der Rückfahrt wurde eine Flasche
aus dem Zugfenster geworfen, ich sah Leute in Gebärdensprache über
uns lästern und eine Partie analysiert.
Auf dem winzigen Steckschachbrett, das
Jan für 3 Euro irgendwo erworben hatte, war wenig zu erkennen. Außerdem
gab es einen weißen Bauern zu viel und dafür einen Turm zu wenig.
Wir malten den Bauern und den einen Turm rot an und verwendeten sie so.
Jan zeigte mir alle Gewinne aus meiner
letzten Partie, die ich übersehen hatte, von denen sich später
mindestens die Hälfte als falsch erwiesen.
Geschafft aber glücklich kamen wir
wieder in Hamburg an, mit einem Pokal, einem Brettspiel, einigen Urkunden
und ganz viel Erfahrung.
NACH OBEN